Erste Hilfe für die Seele

Jemand, der von Suizid spricht, sollte unbedingt ernst genommen werden. Dahinter kann eine depressive Erkrankung oder eine tiefe Verzweiflung – ausgelöst durch seelische Belastungen – lauern.

Rund 1.200 Menschen nehmen sich in Österreich jährlich selbst das Leben, dreimal so viel, als es Verkehrstote zu beklagen gibt. Die Zahl der Suizidversuche beläuft sich auf das Zwanzigfache.

Was treibt Menschen zu dieser Verzweiflungstat?
Zu den häufigsten Ursachen zählen psychische Erkrankungen wie Depressionen oder seelische Belastungen, die unerträglich geworden sind. Suizidales Verhalten (Suizidgedanken, Suizidabsicht, Suizidversuch, Suizid) kann in jedem Alter auftreten. Mit steigendem Alter nimmt das Risiko allerdings zu. Besonders gefährdet sind Männer der Generation 50 plus. Bei den Jugendlichen hat die Zahl der Suizide zwar abgenommen, dennoch gilt Suizid bei den 15- bis 19-Jährigen nach wie vor als zweithäufigste Todesursache. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede lassen sich erkennen:

Während die Anzahl der Suizide bei Männern (80 Prozent) höher ist als bei Frauen (20 Prozent), verhält es sich bei den Suizidversuchen genau umgekehrt.

80 Prozent der Suizide werden angekündigt
Das hat doch keiner kommen sehen“. Ganz so einfach dürfen wir uns nicht aus der Verantwortung für unsere Mitmenschen stehlen. Ein Suizid(versuch) geschieht nicht aus heiterem Himmel; rund 80 Prozent der Fälle werden angekündigt. Zwar ist Suizidgefährdung nicht immer sofort zu erkennen, Betroffene senden aber Warnsignale aus, die keinesfalls überhört und übersehen werden dürfen.


Anzeichen für Suizidgefährdung sind:

  • Konkrete Ankündigungen (schriftlich, mündlich, Zeichnungen): Mein Leben ist sinnlos, Ich kann nicht mehr, Ich will nicht mehr leben, Ich werde mir das Leben nehmen
  • Vorbereitende Handlungen: Dinge werden in Ordnung gebracht, Testament wird geschrieben, Gegenstände von persönlichem Wert werden verschenkt, Medikamente werden gesammelt
  • „Ruhe vor dem Sturm“: Betroffene scheinen besser gelaunt. Aber Achtung: Bei einem solchen Verhalten ist die Entscheidung, sich das Leben zu nehmen, oft schon getroffen!
  • Rückzug und soziale Isolation
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Leichtfertiges Verhalten (z. B. Auto fahren im alkoholisierten Zustand)
  • Völliger Interessenverlust, nur noch negative Gedanken und negative Wahrnehmung der Welt


Wer ist besonders gefährdet?

  • Menschen mit psychischen Erkrankungen
  • Menschen, die schon einmal einen Suizidversuch unternommen haben
  • Menschen aus sogenannten Risikofamilien (wenn es bereits Suizide unter Angehörigen gegeben hat). Suizid ist aber nicht vererbbar!
  • Menschen in psychosozialen Krisen (Arbeitsplatzverlust, Trennung, Tod eines Angehörigen, Schulden)
  • Menschen, die von sozialer Isolation oder Armut betroffen sind
  • Ältere, einsame Menschen
  • Menschen mit chronischen körperlichen Erkrankungen


Was kann ich tun, wie kann ich helfen?

  • Sprechen Sie das Thema offen, ruhig und sachlich an. Für gefährdete Menschen ist es eine Entlastung, über ihre Gedanken zu sprechen.
  • Nehmen Sie Aussagen wie „Mein Leben hat keinen Sinn mehr“ oder „Am liebsten wäre ich tot“ ernst.
  • Versuchen Sie, herauszufinden, ob die gefährdete Person konkrete Vorstellungen hat, wie sie sich das Leben nehmen will. Je genauer die Pläne, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie es tatsächlich tut.
  • Organisieren Sie professionelle Hilfe und begleiten Sie die betroffene Person zu Haus- oder FachärztInnen, PsychotherapeutInnen, zu Beratungsstellen und in die Klinik.
  • Übernehmen Sie dennoch nicht zu viel Verantwortung. Wenn auch Gespräche nicht mehr möglich sind, so zögern Sie nicht, den Notarzt zu verständigen.

Siehe auch 7 Mythen über Suizid »»

Hilfe & Kontakt

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